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EULAR-Empfehlungen: Tipps für ein Leben mit Arthrose

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Teilnehmerinnen bei Bewegungsübung im Selbstmanagement-Kurs
Die Selbstmanagement-Kurse der Deutschen Rheuma-Liga unterstützen Betroffene beim Umgang mit rheumatischen Erkankungen.

Arthrose ist die weltweit am häufigsten vorkommende Gelenkerkrankung. Die EULAR hat Empfehlungen für den Umgang mit der Erkrankung erstellt.

Weltweit leben etwa 500 Millionen Menschen mit Arthrose – Tendenz steigend. Angesichts der Altersentwicklung, zunehmender Fettleibigkeit und sportbedingten Gelenkverletzungen wird die Krankheit in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen.

Arthrosebetroffene leiden häufig unter Schmerzen, Steifheit und damit verbundenen Funktionseinbußen.

Eine optimale Behandlung von Arthrose an Hüfte und Knie verbessert Gesundheit und Lebensqualität, ermöglicht eine Teilhabe am Arbeitsleben und führt dazu, dass Betroffene weniger Leistungen aus dem Gesundheitssystem in Anspruch nehmen. Leider erhalten die meisten Menschen mit Arthrose jedoch keine optimale Behandlung.

Trotz Forschung ist eine Heilung der Arthrose nicht in Sicht. Daher sind nicht medikamentöse Behandlungen von zentraler Bedeutung: Es gilt, die Symptome zu lindern und die körperliche Funktion zu verbessern oder wenigstens zu erhalten. Eine EULAR-Arbeitsgruppe hat die evidenzbasierten Empfehlungen für nicht pharmakologisches Management aktualisiert. Sie basieren auf den aktuellsten Erkenntnissen aus wissenschaftlichen Studien und/oder Expertenmeinungen.

Die wesentlichen Ergebnisse im Überblick:

  • Nutzen Sie einen biopsychosozialen Ansatz für Ihre Behandlung!

Die Behandlung von Betroffenen mit Hüft- oder Kniearthrose sollte nach der Erstuntersuchung einen biopsychosozialen Ansatz verfolgen und den körperlichen und psychologischen Status berücksichtigen, Aktivitäten des täglichen Lebens, soziale und berufliche Teilhabe und soziale sowie umweltbedingte Faktoren mit einbeziehen.

Menschen mit Arthrose sollten einen individuellen Behandlungsplan angeboten bekommen, der die verschiedenen zentralen, nicht medizinischen Ansätze umfasst. Hierzu gehören Information, Schulung, Bewegung, Krankengymnastik, Schmerztherapie, Gewichtkontrolle und Diät. Eine Kombination dieser Maßnahmen hat dabei eine größere Wirksamkeit
auf Schmerzen und Funktion als ein oder zwei Einzelmaßnahmen.

Die Behandlung sollte auf einer gemeinsamen Entscheidungsfindung beruhen, die die Bedürfnisse, Präferenzen und Fähigkeiten der einzelnen Person berücksichtigt.

  • Helfen Sie sich durch Selbstmanagement!

Menschen mit Hüft- oder Kniearthrose sollten über Selbstmanagement aufgeklärt und informiert werden. Wichtig ist, dass bei späteren ärztlichen Besuchen diese Selbstmanagementstrategien wiederholt werden, um eine Nachhaltigkeit zu erzielen.

Youtube-Video: Selbstmanagement-Kurs "Herausforderung Rheuma"

  • Lassen Sie sich einen individuellen Behandlungsplan erstellen!

Die betroffene Person sollte einen auf die Erkrankung und individuelle Situation zugeschnittenen Behandlungsplan erhalten. Hintergrund: Die Mehrheit der neuen, relevanten Studien zeigt eine hohe Wirksamkeit, wenn Patientenschulung, Bewegung, Ernährung, Gewichtsmanagement, Schmerzbewältigungstraining und Verhaltensänderungstechniken gemeinsam
zum Einsatz kommen.

  • Bewegen Sie sich möglichst viel!

Das Bewegungsprogramm sollte angemessen dosiert sein, die körperliche Fitness, die Vorlieben und die lokalen verfügbaren Möglichkeiten sind bei dem individualisierten Plan zu berücksichtigen. Ziel sollte eine Progression der Intensität des Übungsprogramms sein.

Körperliche Aktivität hat zudem zahlreiche weitere gesundheitliche Effekte. Sie ist wichtig für die häufig mit der Arthrose verknüpften Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes.

Die Art der Durchführung der Übungen – etwa allein oder in Bewegungsgruppen, als Wasser- oder Trockengymnastik, vor Ort oder digital angeleitet – sollte nach der örtlichen Verfügbarkeit und den Vorlieben der betroffenen Person ausgewählt werden.

  • Achten Sie auf Ihr Körpergewicht!

Übergewicht und Fettleibigkeit sind starke Risikofaktoren für die Entwicklung und das Fortschreiten der Arthrose, insbesondere der Kniearthrose. Es gibt immer mehr wissenschaftliche Belege dafür, dass Maßnahmen zur Gewichtsreduktion Schmerzen und Behinderungen bei Arthrose positiv beeinflussen.

Menschen mit Übergewicht oder Fettleibigkeit brauchen dabei möglicherweise Unterstützung. Als Beispiel wird angegeben, dass eine 18-monatige Diät- und Bewegungsintervention zu einer fünfprozentigen Gewichtsabnahme und damit zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensqualität führen kann.

  • Achten Sie auf geeignetes Schuhwerk!

Menschen mit Hüft- oder Kniearthrose sollten auf ein geeignetes Schuhwerk achten, um ihre Schmerzen zu verringern. Aus klinischer Sicht sollten die Schuhe stabil, stützend, bequem und vor allem groß genug sein, um den Zehen bei Belastung ausreichen Platz zu geben.

Durch Einlagen lässt sich oft auch eine Verbesserung erzielen. Hilfsmittel können als Mittel zur Schmerzlinderung und zur Verbesserung der Teilhabe sowohl zu Hause als auch am Arbeitsplatz dienen und sollten daher in die Überlegungen einbezogen werden. Beispiele für solche Hilfsmittel sind Anziehhilfen, höhenverstellbare Stühle, erhöhte Toilettensitze, Handläufe in Treppenhäusern oder die Verwendung von Gehhilfen.

  • Erhalten Sie Ihre Arbeitsfähigkeit!

Arthrose ist eine der Hauptursachen für eine geringere Erwerbsbeteiligung, kann die Anzahl der Krankheitstage erhöhen und damit sich erheblich auf die berufliche Laufbahn auswirken. Schweres Heben und kniebelastende Tätigkeiten sind erhebliche Risikofaktoren.

Ziehen Sie eine Anpassung Ihres Arbeitsplatzes oder eine berufliche Rehabilitation in Betracht, um Ihre Arbeitsfähigkeit und berufliche Teilhabe zu erhalten. Heimarbeit, der Einsatz von höhenverstellbaren Schreibtischen und Bürostühlen, ein Wechsel der Aufgaben oder gar des Arbeitsplatzes können hilfreich sein. Das gilt auch für den Einsatz von Hilfsmitteln und die Unterstützung durch Vorgesetzte und Kolleginnen und Kollegen.

  • Bleiben Sie am Ball!

Wie wir alle wissen, kommen wir immer wieder schnell in unseren Alltagstrott. Ziel sollte es sein, bei allen Maßnahmen eine Nachhaltigkeit zu erzielen. Um gesunde Lebensstilveränderungen nachhaltig umzusetzen, kann zum Beispiel eine regelmäßige Telefonberatung hilfreich sein, eine App oder ein Auffrischungskurs für Selbstmanagement.

Bleiben Sie am Ball – auch wenn Sie (noch) keine Arthrose haben.

Autor: Dieter Wiek hat ehrenamtlich bei der Erstellung der EULAR-Empfehlungen mitgewirkt. Er ist ehemaliges Vorstandsmitglied der Deutschen Rheuma-Liga.

Dieser Text erschien zuerst in der Mitgliederzeitschrift "mobil", Ausgabe 5-2024. Sechs Mal im Jahr erhalten Mitglieder der Deutschen Rheuma-Liga die Zeitschrift direkt nach Hause (jetzt Mitglied werden).

Wie kommen EULAR-Empfehlungen zustande?

Um derartige Empfehlungen zu erstellen, wird zunächst eine Arbeitsgruppe gegründet. Diese besteht etwa aus 25 Personen, die auf dem jeweiligen Gebiet sehr kompetent sind, davon zwei Patientenvertreterinnen oder -vertreter. Zunächst formuliert die Arbeitsgruppe ihre Forschungsfragen. Es folgt eine systematische Literaturrecherche, die anschließend präsentiert und diskutiert wird. Anschließend werden die Empfehlungen formuliert. Es folgt eine weitere Diskussion und Abstimmung. Im Anschluss werden textliche Erläuterungen und Begründungen erstellt und dieses Manuskript beim EULAR-Rat eingereicht. Nach dessen Genehmigung erfolgt die Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift und die Erstellung einer Kurzversion in laienverständlicher Sprache.